Doch die halb verhungerten und kranken Hunde und Katzen, die in den
Dörfern und
Städten der Costa del Sol auf den Straßen leben und sterben
oder angekettet
dahinvegetieren, raubten ihr den Schlaf.
Sie fing an, den Tieren vor Ort zu helfen, sie zu füttern, zum
Arzt zu bringen.
Sie versuchte, mit Bürgermeistern, Pfarrern und anderen
Stadtoberen zu
sprechen, um sie für das Thema zu sensibilisieren - ohne Erfolg.
Tierschutz steckt in Andalusien in den Kinderschuhen. Hunde werden
nicht
kastriert, Tierleichen meist einfach weggeschmissen, Welpen ausgesetzt.
Nach fünf Jahren beschloss Frau Snedker 2003, mit ihrem Mann nach
Deutschland
zurückzugehen und hier neue Besitzer für die Tiere zu finden.
Zusammen mit
anderen Tierfreunden engagiert sie sich seitdem in der
deutsch-spanischen
Initiative „Ayuda por Animales“.
Der Verein kümmert sich um herrenlose Hunde und Katzen an der
Costa del Sol und
vermittelt sie an Menschen in ganz Deutschland. Die medizinische
Versorgung
(Impfen, Kastrieren, Entwurmen etc.) sowie die Überführung
per Flugzeug wird
von den Tierschützern organisiert. Der neue Besitzer bezahlt
dafür eine
Vermittlungsgebühr, für Welpen sind das z. B. 250 Euro pro
Tier. Im letzten
Jahr fanden rund 160 Hunde und 60 Katzen ein Zuhause in Deutschland.
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Das Interview im Wortlaut:
Margit Snedker: Ein
Schlüsselerlebnis nicht direkt. Mir fielen einfach diese vielen
ausgesetzten Tiere auf, die toten Tiere, die halbtoten Tiere, die auf
der Straße, an der Straße lagen. Und als wir anfingen zu
wandern, sah
in jeder Fincas die angeketteten Hunde, an einer 80 Zentimeter langen
Kette, an einer Blechtonne, die sich im Sommer aufheizt und im Winter
ist es kalt, dann bekommen die Hunde eine Lungenentzündung. Es war
einfach so, dass ich zum Schluss überall wusste, auf welcher Finca
ein
Tier ist, und man konnte einfach nicht daran vorbei sehen. Das
drängte
sich einem richtig auf und man musste einfach was tun.
Meyer: Wie kommt es denn, das dort so viele Tiere in einem
solchen Zustand sind und dahinvegetieren?
Snedker:
Das Problem ist, dass die Spanier die Tiere nicht kastrieren lassen,
und sie vermehren sich ungehindert, für Kastration geben sie kein
Geld
aus und selbst wenn man den Spaniern anbiete, die Kastration zu
bezahlen, dann sind sie oft zu stolz und berufen sich auf die Natur.
Aber die Natur sieht dann so aus, dass entweder die Tiere ausgesetzt
werden oder sie werden getötet. Es kann durchaus vorkommen, dass
Ihnen
ein Spanier mit einer Plastiktüte in der Hand begegnet, die sehr
lebendig ist, da hat er die Welpen drin und die wirft er lebend in der
Plastiktüte in die nächste Schlucht. Das ist dann Natur. So
werden der
Tiernachwuchs dann entsorgt.
Meyer: Wie haben Sie Ihre Arbeit damals in Spanien begonnen?
Snedker:
Ich habe erst mal versucht, diesen Hunden und Katzen - damals waren es
hauptsächlich Hunde, die ich gesehen hatte und denen es sehr
schlecht
ging - ein bisschen zu helfen, indem ich ihnen ein bisschen
Futter
gebracht habe, indem ich versucht habe, vielleicht eine Hundehütte
für
sie bauen zu lassen und die Spanier dazu überredet habe, sie ein
bisschen besser zu behandeln. Aber das ist schwierig. Ich habe auch
Hunde raus geholt - nachts um halbdrei bin ich eingestiegen und habe
sie raus geholt. Das Problem ist dann nur, dass man ganz schnell ganz
viele Hunde um sich hat, und was macht man dann mit ihnen in Spanien.
Dann bekommt man Ärger mit den Nachbarn, weil zu viele Tiere auf
dem
Grundstück sind. Und selbst wenn man die Hunde wegholt, weiß
man genau,
fünf Tage später hängt ein Welpe dort wieder an der
Kette. Deshalb
denke ich, von hier aus habe ich mehr Möglichkeiten zu
helfen als in
Spanien.
Meyer: Was für Möglichkeiten haben Sie den von
Schleswig Holstein aus?
Snedker:
Von Schleswig Holstein aus habe ich die Möglichkeit, für die
Tiere, die
man da unten findet und die kein Zuhause haben, die sonst in der
Tötungsanstalt landen würden oder krank würden und dann
elendiglich zu
Grunde gehen, für die ein neues Zuhause zu suchen und zu finden
uns sie
dann dort auch hin zu bringen.
Meyer: Angenommen, ich habe Interesse, ein Tier aus Südspanien bei mir aufzunehmen, einen Hund zum Beispiel. Was muss ich dann tun?
Snedker:
Wir haben seit Neuestem eine Homepage und dort stellen wir die Tiere
alle vor mit Bild und der Beschreibung, soweit wir ihr Vorleben kennen
- in der Regel sind die Eltern nicht bekannt. Und wenn Sie sich dann
ein Tier aussuchen, dann melden Sie sich bei uns, dann führen wir
erst
ein längeres Gespräch und klären vorab einiges,
beispielsweise, wie
lange der Hund alleine bleiben muss. Wir vermitteln keine Hunde an
Voll-Berufstätige - der Hund sollte maximal vier Stunden am Tag
alleine
bleiben dürfen. Bei großen Hunden fragen wir, ob da auch
Haus und
Garten vorhanden ist, und dann machen wir eine Vorkontrolle, wenn das
so weit alles stimmt in dem neuen Zuhause, schauen uns das alles an.
Wenn dann alles in Ordnung ist, machen wir einen Schutzvertrag mit der
Familie und suchen einen Flugpaten für den Hund, und wenn ein
Flugtermin feststeht, dann benachrichtigen wir die Leute, dann kommen
die neuen Besitzer zum Flughafen und gemeinsam mit einer Kollegin von
mir kann dann der Hund in Empfang genommen werden auf dem Flughafen, in
der Regel in Hamburg.
Meyer: Wie finanzieren Sie sich eigentlich? Das kostet ja auch
Geld Ihr Engagement.
