Interview, 25.07.2007, 09:25 Uhr
Hilfe für verlassene Vierbeiner

Margit Snedker aus Schleswig-Holstein wollte ihren Lebensabend in Ruhe in Andalusien verbringen, zu Tieren hatte sie kein Verhältnis.

Doch die halb verhungerten und kranken Hunde und Katzen, die in den Dörfern und Städten der Costa del Sol auf den Straßen leben und sterben oder angekettet dahinvegetieren, raubten ihr den Schlaf.

Sie fing an, den Tieren vor Ort zu helfen, sie zu füttern, zum Arzt zu bringen. Sie versuchte, mit Bürgermeistern, Pfarrern und anderen Stadtoberen zu sprechen, um sie für das Thema zu sensibilisieren - ohne Erfolg.

Tierschutz steckt in Andalusien in den Kinderschuhen. Hunde werden nicht kastriert, Tierleichen meist einfach weggeschmissen, Welpen ausgesetzt.

Nach fünf Jahren beschloss Frau Snedker 2003, mit ihrem Mann nach Deutschland zurückzugehen und hier neue Besitzer für die Tiere zu finden. Zusammen mit anderen Tierfreunden engagiert sie sich seitdem in der deutsch-spanischen Initiative „Ayuda por Animales“.

Der Verein kümmert sich um herrenlose Hunde und Katzen an der Costa del Sol und vermittelt sie an Menschen in ganz Deutschland. Die medizinische Versorgung (Impfen, Kastrieren, Entwurmen etc.) sowie die Überführung per Flugzeug wird von den Tierschützern organisiert. Der neue Besitzer bezahlt dafür eine Vermittlungsgebühr, für Welpen sind das z. B. 250 Euro pro Tier. Im letzten Jahr fanden rund 160 Hunde und 60 Katzen ein Zuhause in Deutschland.

Margit Snedker ist für den Raum Schleswig-Holstein zuständig. Sie führt u. a. die Vorkontrollen durch. Das heißt, sie besucht potentielle neue Besitzer und schaut sich an, ob die Tiere dort  gut aufgehoben wären und nach Tierschutzstandards versorgt werden könnten.

Mit Margit Snedker spricht Ute Meyer

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Das Interview im Wortlaut:


Ute Meyer: Sie haben die Lage der Tiere in Südspanien damals als besonders schlimm empfunden und sich deshalb für sie eingesetzt - gab es da ein Schlüsselerlebnis?


Margit Snedker
: Ein Schlüsselerlebnis nicht direkt. Mir fielen einfach diese vielen ausgesetzten Tiere auf, die toten Tiere, die halbtoten Tiere, die auf der Straße, an der Straße lagen. Und als wir anfingen zu wandern, sah in jeder Fincas die angeketteten Hunde, an einer 80 Zentimeter langen Kette, an einer Blechtonne, die sich im Sommer aufheizt und im Winter ist es kalt, dann bekommen die Hunde eine Lungenentzündung. Es war einfach so, dass ich zum Schluss überall wusste, auf welcher Finca ein Tier ist, und man konnte einfach nicht daran vorbei sehen. Das drängte sich einem richtig auf und man musste einfach was tun.


Meyer
: Wie kommt es denn, das dort so viele Tiere in einem solchen Zustand sind und dahinvegetieren?


Snedker
: Das Problem ist, dass die Spanier die Tiere nicht kastrieren lassen, und sie vermehren sich ungehindert, für Kastration geben sie kein Geld aus und selbst wenn man den Spaniern anbiete, die Kastration zu bezahlen, dann sind sie oft zu stolz und berufen sich auf die Natur. Aber die Natur sieht dann so aus, dass entweder die Tiere ausgesetzt werden oder sie werden getötet. Es kann durchaus vorkommen, dass Ihnen ein Spanier mit einer Plastiktüte in der Hand begegnet, die sehr lebendig ist, da hat er die Welpen drin und die wirft er lebend in der Plastiktüte in die nächste Schlucht. Das ist dann Natur. So werden der Tiernachwuchs dann entsorgt.

Meyer: Wie haben Sie Ihre Arbeit damals in Spanien begonnen?


Snedker
: Ich habe erst mal versucht, diesen Hunden und Katzen - damals waren es hauptsächlich Hunde, die ich gesehen hatte und denen es sehr schlecht ging  - ein bisschen zu helfen, indem ich ihnen ein bisschen Futter gebracht habe, indem ich versucht habe, vielleicht eine Hundehütte für sie bauen zu lassen und die Spanier dazu überredet habe, sie ein bisschen besser zu behandeln. Aber das ist schwierig. Ich habe auch Hunde raus geholt - nachts um halbdrei bin ich eingestiegen und habe sie raus geholt. Das Problem ist dann nur, dass man ganz schnell ganz viele Hunde um sich hat, und was macht man dann mit ihnen in Spanien. Dann bekommt man Ärger mit den Nachbarn, weil zu viele Tiere auf dem Grundstück sind. Und selbst wenn man die Hunde wegholt, weiß man genau, fünf Tage später hängt ein Welpe dort wieder an der Kette. Deshalb denke ich, von hier aus habe ich mehr Möglichkeiten zu  helfen als in Spanien.


Meyer
: Was für  Möglichkeiten haben Sie den von Schleswig Holstein aus?


Snedker
: Von Schleswig Holstein aus habe ich die Möglichkeit, für die Tiere, die man da unten findet und die kein Zuhause haben, die sonst in der Tötungsanstalt landen würden oder krank würden und dann elendiglich zu Grunde gehen, für die ein neues Zuhause zu suchen und zu finden uns sie dann dort auch hin zu bringen.

Meyer: Angenommen, ich habe Interesse, ein Tier aus Südspanien bei mir aufzunehmen, einen Hund zum Beispiel. Was muss ich dann tun?


Snedker
: Wir haben seit Neuestem eine Homepage und dort stellen wir die Tiere alle vor mit Bild und der Beschreibung, soweit wir ihr Vorleben kennen - in der Regel sind die Eltern nicht bekannt. Und wenn Sie sich dann ein Tier aussuchen, dann melden Sie sich bei uns, dann führen wir erst ein längeres Gespräch und klären vorab einiges, beispielsweise, wie lange der Hund alleine bleiben muss. Wir vermitteln keine Hunde an Voll-Berufstätige - der Hund sollte maximal vier Stunden am Tag alleine bleiben dürfen. Bei großen Hunden fragen wir, ob da auch Haus und Garten vorhanden ist, und dann machen wir eine Vorkontrolle, wenn das so weit alles stimmt in dem neuen Zuhause, schauen uns das alles an. Wenn dann alles in Ordnung ist, machen wir einen Schutzvertrag mit der Familie und suchen einen Flugpaten für den Hund, und wenn ein Flugtermin feststeht, dann benachrichtigen wir die Leute, dann kommen die neuen Besitzer zum Flughafen und gemeinsam mit einer Kollegin von mir kann dann der Hund in Empfang genommen werden auf dem Flughafen, in der Regel in Hamburg.


Meyer
: Wie finanzieren Sie sich eigentlich? Das kostet ja auch Geld Ihr Engagement.


Snedker
: Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Wenn wir Vorkontrollen machen oder Telefondienst - das ist alles unser eigenes Geld. Die Schutzgebühr fließt ausschließlich in den Tierschutz, Spenden haben wir fast keine. Und die Schutzgebühren - bei Welpen haben wir da schon einiges übrig - fließen nach Spanien, weil dort vor Ort sehr viel Geld gebraucht wird.